Nur ein Schandfleck bereitet Sorgen

Wirtschaftsbüro: Leerstand in Gaarden kein Problem mehr – aber Stillstand im ehemaligen Dabran-Markt

Gaarden. Dass im Gaardener Einzelhandel nicht alles Gold ist, was glänzt, räumen auch Jasmin Tarhouni und Cetin Yildirim-von Pickardt ein. Die Lage im Kieler Stadtteil hat sich aus Sicht des Duos vom Wirtschaftsbüro verbessert. Leerstand sei kein Thema mehr. Sorgen bereitet indes der ehemalige Dabran-Markt.

Als das Wirtschaftsbüro vor acht Jahren aus der Taufe gehoben wurde, gab es eine Liste von 42 leerstehenden Ladenlokalen im Zentrum. „Heute haben wir gefühlt jeden Tag 42 Anfragen nach Räumlichkeiten“, beschrieb Jasmin Tarhouni während der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats den Wandel. Die auf der Tagesordnung stehende Frage, ob denn der Einzelhandel im Stadtteil noch zu retten sei, beantwortete sie deshalb ebenso wie ihr Kollege mit einem klaren Ja.

So provokant, wie sie klingt, sei diese Frage ohnehin nicht gemeint gewesen, gab außerdem Vorsitzender Bruno Levtzow (SPD) zu und erklärte, dass die als Arbeitstitel gedachte Formulierung im Vorfeld der Sitzung versehentlich durchgerutscht sei.

Bedenken, etwa wegen der Begehrlichkeiten von sozialen Trägern, die es in Geschäftsräume zieht, erhält der Ortsbeirat aber sehr wohl aufrecht. Ein Trend war das laut Tarhouni tatsächlich, allerdings sei der inzwischen praktisch zum Erliegen gekommen: „Heute sind es Gott sei Dank wieder die typischen Gründer, die zu uns kommen.“

Auch dass sich der Branchenmix nicht unbedingt so gestaltet, wie man es sich wünschte, ist fürs Wirtschaftsbüro ein berechtigter Kritikpunkt. Jede Menge Friseure und dazu zahlreiche Gemüse- und Lebensmittelläden seien tatsächlich allzu prägend. „Wenn ein Eigentümer aber sagt, er kann mit einem Pächter gutes Geld verdienen und die Mischung ist ihm egal, können wir nichts dagegen tun“, warb Jasmin Tarhouni um Verständnis. Cetin Yildirim-von Pickardt betonte derweil, dass aus Gaarden heraus „immer wieder Erfolgsgeschichten geschrieben werden“. Unter anderem nannte er den in der Kaiserstraße gegründeten und heute auf dem Vinetaplatz ansässigen Herrenfriseur Delal, der inzwischen sogar in Hamburg die Schöpfe und Bärte von Prominenten in Form bringt. Massiver Unmut wurde im Ortsbeirat dagegen über die Zustände im seit fast drei Jahre geschlossenen Dabran-Supermarkt laut. Sitzungsbesucher Ingmar Licht sprach von einer „katastrophalen Situation“, und auch nach Meinung von Christian Leonhardt, dem Vorsitzenden des Fördervereins Gaarden, wird das Bild „immer desolater“. Der Eigentümer der Immobilie in der Elisabethstraße hat zwar wiederholt angekündigt, dort einen Penny-Markt oder ein anderes attraktives Geschäft anzusiedeln, passiert ist aber bisher nichts.

Vielmehr ist der Laden stattdessen leicht zugänglich, verdreckt durch Tauben und anderes Getier und dient zudem offenbar als Treffpunkt für halbseidene Gestalten. Für viele im Stadtteil ein Schandfleck. Genau an dieser Stelle setzt jetzt der Ortsbeirat an: Einstimmig fordert er die Stadt auf, zu prüfen, ob der Entwicklung ordnungsrechtlich ein Riegel vorgeschoben werden kann. Schließlich gehe es um eine nicht zu bestreitende Gefährdung von Gesundheit und Sicherheit der Anwohner und Passanten.

Im Blick hat das auch der jüngst gegründete Gewerbe- und Handelsverein Gaarden. Derzeit arbeitet der Verein nach Angaben seines stellvertretenden Vorsitzenden Jochen Kümmerle noch weitgehend intern, um Ziele und Strategien zu entwickeln. Ziel sei es aber, sich alsbald öffentlich und nachdrücklich für den Standort Gaarden einzusetzen, versprach er.

Getan hat das zuletzt auch der Förderverein, der die Broschüre „Wir sind Gaarden“ herausbrachte. Porträtiert werden darin 20 Geschäftsleute, die überwiegend seit vielen Jahren Präsenz zeigen und nach den Worten des Vereinsvorsitzenden Leonhardt „die Schnittstelle der Integration im Stadtteil“ darstellen. Eine weitere gute Nachricht konnte auch Cetin Yildirim-von Pickardt verkünden. Nach seinen Angaben ist das freie WLAN auf der Elisabethstraße seit wenigen Tagen komplett installiert.

Quellenangabe: Kieler Nachrichten vom 11.01.2020, Seite 35

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