Angst vor schleichender Einlullung des Stadtteilzentrums

Ortsbeirat Gaarden sorgt sich um den Einzelhandel – Diskussion am kommenden Mittwoch

Gaarden. „Ist der Einzelhandel in Gaarden noch zu retten?“ Derart zugespitzt formuliert kommt selten ein offizieller Tagesordnungspunkt zu einer Ortsbeiratssitzung daher. Wenn also am Mittwoch in Gaarden genau unter dieser Fragestellung diskutiert wird, scheint es ein Problem zu geben.

Genaugenommen tun sich in dieser Angelegenheit gleich mehrere Baustellen auf. Einige davon sind für die heutige Zeit typisch und zeigen sich genauso in anderen Stadtteilen. In einer speziellen Hinsicht unterscheidet sich Gaarden jedoch: Vermehrt war in der jüngeren Vergangenheit zu beobachten, dass soziale Organisationen ihre Fühler nach Räumen in bester (Geschäfts-)lage ausstreckten. So trug sich die Stadtverwaltung vor einem Jahr mit dem Gedanken, im ehemaligen Bioladen in der Medusastraße eine Beratungsstelle für Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien einzurichten. Und das ganz und gar nicht zur Freude des Ortsbeirats, der einhellig dafür plädiert hatte, Geschäftsräume in derart guter Lage nicht in Filialen der Sozialbehörden oder anderer Träger zu verwandeln. „So etwas muss als Café oder Verkaufsstelle für die Öffentlichkeit nutzbar sein“, warnte allen voran Vorsitzender Bruno Levtzow (SPD) vor einer schleichenden Einlullung des Stadtteilzentrums.

Nur wenige Meter entfernt war etwa zur selben Zeit mit dem türkischen Grill-Imbiss „Antep Sofrasi“ eine wichtige gastronomische Institution ins Visier des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK) geraten. Dessen Verantwortliche liebäugelten damit, in dem Pavillon auf dem Vinetaplatz ein Beratungszentrum einzurichten. Genau das fordert zwar auch der Ortsbeirat, jedoch nicht an dieser Stelle. Schließlich stellt das „Sofrasi“ vom Frühjahr bis in den Herbst hinein wegen seiner zahlreichen Plätze im Freien den wichtigsten Treffpunkt auf dem ganzen Vinetaplatz dar.

Entwarnung kann jedoch auch in diesem Fall verkündet werden. Eigentümer Hasan Karaca hat die Gaststätte, die er vom Jahr 2000 bis 2007 in eigener Regie als „Mixx-Grill“ betrieb, an einen neuen Pächter aus der Gastronomie vergeben, sodass die Zukunft dieses Standorts gesichert ist.

Derart glücklich fügt es sich allerdings nicht immer. Dass sich die Räume des Schuldner- und Insolvenzberatungszentrums Kiel in zentraler Lage auf dem Vinetaplatz befinden, ist aus Sicht des Ortsbeirats weder für die Mitte des Stadtteils noch für die Angehörigen der Zielgruppe besonders günstig. Für die Betroffenen sei es eine durchaus zweifelhafte Freude, wenn sie vor aller Augen mitten auf dem Vinetaplatz mit dem Gang zur Schuldnerberatung ihre Finanzprobleme offenbaren müssen, meint Bruno Levtzow. Auch die bereits abgesegneten Pläne der Türkischen Gemeinde, in den von der Kieler Volksbank verlassenen Räumen in der Elisabethstraße einen Kindergarten einzurichten, betrachtet der Ortsbeirat ein Stück weit skeptisch. Das Vorhaben an sich sei begrüßenswert, der Standort allerdings nicht so sehr.

Überhaupt empfiehlt es sich, genauer hinzusehen, wenn es um die Lage des Gaardener Zentrums geht. Zwar gebe es für Geschäftsräume in guter Lage „viel mehr Anfragen als Angebote“, berichtete Cetin Yildirim-von Pickardt vom Wirtschaftsbüro jüngst im Ortsbeirat, doch stellt sich die reale Situation weniger positiv dar.

Einerseits kaschieren die sozialen Organisationen mit ihrem großen Platzbedarf zum Teil potenzielle Leerstände, andererseits lösen die vorhandenen Geschäfte auch nicht ungeteiltes Entzücken aus. Prominentestes Beispiel ist aktuell der kurdische Gemüsehandel am Vinetaplatz. Er ist nicht nur in die großen Fußstapfen des traditionsreichen Cafés Dibbern getreten. Das Geschäft hat auch mit einem erkennbaren Tauben- und damit Hygieneproblem zu tun.

Der Ortsbeirat Gaarden diskutiert am Mittwoch, 8. Januar, um 19 Uhr in der Räucherei, Preetzer Straße 35, über dieses Thema. Außerdem berichtet ein Vertreter der Polizei über die aktuelle Situation in dem Stadtteil.

Quellenangabe: Kieler Nachrichten vom 06.01.2020, Seite 17

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